Text: Marketing Kommunikation
Otmar Wägers Weg mit Wisli

Als Otmar Wäger 1984 zu den Gründungsmitgliedern des damaligen Vereins für Sozialpsychiatrie im Zürcher Unterland gehörte, stand eine einfache, aber grundlegende Frage im Raum: Wie können Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung nach einem Klinikaufenthalt wieder Anschluss an den Alltag finden? Diese Frage begleitete ihn über mehr als vier Jahrzehnte und prägte sein Engagement für die heutige Stiftung Wisli.
Als Assistenzarzt am Psychiatriezentrum Hard in Embrach erlebte Otmar Wäger in den 1980er-Jahren den Aufbruch der Sozialpsychiatrie in der Schweiz. Gleichzeitig führten persönliche Erfahrungen und die enge Begleitung eines Angehörigen dazu, dass ihm die Grenzen der rein klinischen Versorgung deutlich wurden. Es brauchte mehr als eine medizinische Behandlung. Es brauchte Orte, die Teilhabe ermöglichen und Menschen nicht auf ihre Diagnose reduzieren.
Dieses Verständnis war der Ausgangspunkt für sein langjähriges Engagement. In den frühen Vereinsstrukturen übernahm er rasch Verantwortung, zunächst als Vorstandsmitglied und von 1998 bis 2012 schliesslich als Präsident des Vereins. Mit der Umwandlung des Vereins in die Stiftung Wisli im Jahr 2012 übernahm er das Stiftungsratspräsidium, welches er bis 2020 innehatte. Auch danach blieb er dem Gremium als Mitglied erhalten.
In dieser Zeit entwickelte sich Wisli inhaltlich, strukturell und organisatorisch stark weiter. Es entstanden neue Arbeitsangebote, Wohnformen wurden ausgebaut, und der heutige Bereich der Arbeitsintegration nahm Gestalt an. Otmar Wäger begleitete diese Entwicklung mit einem klaren Blick auf das Wesentliche: die Qualität der Angebote und die Frage, welche Rahmenbedingungen es braucht, damit die Stiftung ihren Auftrag langfristig erfüllen kann.
Besonders wichtig war ihm dabei die strategische Verankerung einer Recovery-Haltung: "Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen sind nicht einfach Empfänger von Unterstützung. Sie sind Expertinnen und Experten ihrer eigenen Erfahrungen.", betonte Otmar.
Otmar Wäger blickt bis heute gern auf das Projekt Textwerkstatt zurück, das von Rose und Claus Herger geleitet wurde. Über viele Jahre hinweg bot es Menschen mit langjähriger Psychiatrieerfahrung einen Raum für sprachlichen Ausdruck. Aus der Textwerkstatt gingen Publikationen, Lesungen und Kooperationen hervor, die weit über Wisli hinaus Wirkung entfalteten. Für Otmar Wäger steht dieses Projekt exemplarisch dafür, was möglich wird, wenn Menschen einen geeigneten Rahmen erhalten, um sich zu zeigen und gehört zu werden.
Auch die Zusammenarbeit mit den Teams und Fachpersonen hat ihn über all die Jahre geprägt. Er zeigt sich besonders beeindruckt von der fachlichen Qualität in den Standortgesprächen und dem spürbaren Wohlwollen gegenüber den Teilnehmenden. Diese Haltung betrachtet er als zentrales Fundament für die Zukunft der Stiftung.
Zum Jahresende 2025 trat Otmar Wäger aus dem Stiftungsrat zurück. Er tat dies mit der Überzeugung, dass Wisli heute gut aufgestellt ist. Ein starkes Gremium, engagierte Mitarbeitende und eine klare fachliche Ausrichtung geben ihm die Sicherheit, Verantwortung weiterzugeben. Die Verbindung bleibt bestehen: In der Wisli-Academy, die ein breites Angebot an internen Schulungen bietet, wird er seine Expertise weiterhin einbringen.
Mit seinem Rücktritt endet ein langes Kapitel der Mitgestaltung. Über vier Jahrzehnte hinweg hat er die Stiftung Wisli geprägt und mitgeformt.
Dafür danken wir Otmar Wäger.