Text: Abteilung Marketing, Kommunikation und Fundraising
Die unsichtbare Last – wenn Erleben Verständnis schafft
Mit der Ausstellung «Die unsichtbare Last» hat die Stiftung Wisli 2025 einen eindrücklichen Zugang geschaffen, um psychische Erkrankungen erlebbar zu machen und gemeinsam mit Betroffenen neue Formen von Verständnis, Teilhabe und Co-Kreation zu entwickeln.

Psychische Erkrankungen sind für Aussenstehende oft schwer greifbar. Man kann darüber lesen oder sprechen. Wirklich nachvollziehen lässt sich vieles jedoch erst, wenn es erlebbar wird.
Mit der Ausstellung «Die unsichtbare Last» hat die Stiftung Wisli 2025 genau dafür einen Zugang geschaffen. In begehbaren «Erfahrungsboxen» werden Symptome und innere Zustände so vermittelt, dass Besuchende eine Ahnung davon bekommen, wie sich eine Depression oder eine schizophrene Wahrnehmung anfühlen kann.
Die Ausstellung wurde gemeinsam mit Menschen entwickelt, die eigene Krisenerfahrungen mitbringen. Insgesamt acht Personen waren an der Entwicklung beteiligt, zwei davon mit eigener Erfahrung. In der Phase der Ausgestaltung kamen zwei weitere Menschen mit Krisenerfahrung dazu. Ergänzt wurde das Projekt durch intensive Gespräche mit Betroffenen. Dabei entstand eine besondere Form der Zusammenarbeit: überraschend harmonisch, inklusiv und getragen von gegenseitiger Wertschätzung. Rollen und Funktionen spielten kaum eine Rolle – entscheidend waren die Stärken und Perspektiven jeder einzelnen Person. Diese Teamdynamik prägte den gesamten Prozess und machte echte Co-Kreation erlebbar.
Wie die Idee entstanden ist, beschreibt Projektleiterin Bettina Imhof so: «Die Realität von krisenerfahrenen Menschen sollte man nicht nur lesen, hören oder abfragen. Man muss sie spüren können.»
Die Ausstellung zeigt nicht nur Inhalte, sondern auch die Haltung der Stiftung Wisli. Menschen mit Krisenerfahrung werden nicht als Fälle betrachtet, sondern als Expert*innen ihres eigenen Lebens. Sie entwickeln, entscheiden und gestalten mit. Es geht nicht darum, über Menschen zu sprechen, sondern mit ihnen. Die Ausstellung wird so selbst zum Ausdruck der Arbeitsweise der Stiftung Wisli.
Diese Herangehensweise prägt auch die Wirkung der Ausstellung. Eine Person, die an der Entwicklung mitgewirkt hat und selbst an Depression erkrankt war, beschreibt es so: «Für mich fühlte sich meine Depression damals etwas anders an als die Darstellung in der Box. Das zeigt: Jeder Mensch erlebt Depression anders. Genau darin sehe ich die Stärke des Projekts: Es geht nicht um eine exakte Abbildung, sondern um ein Herantasten, ein Spürbar-Machen und ein Öffnen von Verständnis.»
Auch die Rückmeldungen aus der Testphase zeigen, welche Tiefe diese Form des Zugangs erreichen kann. Besonders eindrücklich war die Aussage eines Betroffenen: «Diese Erkrankung war das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist. Jetzt habe ich erstmals die Möglichkeit, auf mich zu schauen und schätze kleine Momente des Glücks viel mehr als zuvor.»
Solche Perspektiven machen deutlich, dass Krisenerfahrungen nicht nur Belastung bedeuten, sondern auch Entwicklung ermöglichen können. Die Ausstellung schafft Raum für genau diese differenzierten Sichtweisen und eröffnet einen Zugang, der über reine Information hinausgeht.
Die unsichtbare Last steht damit für mehr als eine Ausstellung. Sie zeigt, wie Verständnis entstehen kann, wenn Menschen ihre Erfahrungen einbringen und ernst genommen werden. Und sie zeigen, wie kraftvoll die Methode des Erlebbar-Machens sein kann. Gleichzeitig hatte das Projekt auch eine starke Wirkung nach innen: Co-Kreation wurde als Haltung gestärkt. Die Erfahrung, dass gemeinsame Gestaltung zu hoher Qualität, Sorgfalt und Selbstwirksamkeit führt, wirkt in der Stiftung Wisli weit über dieses einzelne Projekt hinaus und inspiriert zukünftige Vorhaben. «Die unsichtbare Last» steht damit für mehr als eine Ausstellung. Sie zeigt, wie Verständnis entstehen kann, wenn Menschen ihre Erfahrungen einbringen und ernst genommen werden – und wie eine Organisation durch solche Prozesse wachsen kann.
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