Text: Abteilung Wohnen
Begleitetes Wohnen: Unterstützung dort, wo das Leben stattfindet
Mit dem Ausbau des Begleiteten Wohnens stärkte die Stiftung Wisli 2025 die Selbstbestimmung ihrer Klientinnen und Klienten im Sinne der UNO-Behindertenrechtskonvention: Individuelle Unterstützung im eigenen Zuhause ermöglicht mehr Eigenständigkeit, Stabilität und echte Wahlfreiheit im Alltag. Wie dieses Angebot konkret aussieht, erklärt Thomas Böchler, Abteilungsleiter Betreutes und Begleitetes Wohnen, im Interview.

Tom, der Unterstützungsbedarf variiert stark je nach Person und Situation. Wie sieht das Angebot der Stiftung im Begleiteten Wohnen aus?
Im Begleiteten Wohnen unterstützen wir Menschen dort, wo ihr Alltag stattfindet: in ihrer eigenen Wohnung. Unser Ziel ist es, die Selbstständigkeit zu stärken und Menschen in herausfordernden Lebenssituationen zuverlässig zur Seite zu stehen. Die stundenweise Unterstützung gestalten wir individuell und flexibel, ganz nach den jeweiligen Bedürfnissen unserer Klientinnen und Klienten. «Die Stiftung Wisli unterstützt mich dabei, auch im Alter selbstständig wohnen zu können», erzählt Frau R.
So begleiten wir in der Haushaltsführung oder beim Aufbau einer stabilen Tagesstruktur. Gleichzeitig fördern wir die Gesundheit und psychische Stabilität, indem wir entlastende Gespräche führen, Sicherheit vermitteln und frühzeitig auf Krisen reagieren.
Ganz alltägliche administrative Aufgaben gehören ebenso zur Begleitung. Wir unterstützen beim Sortieren der Post, beim Kontakt mit Versicherungen oder Behörden sowie bei finanziellen Fragestellungen. Frau R. bestätigt das breite Angebot: «Ich schätze vor allem die Unterstützung, um meine Arzttermine wahrzunehmen. Auch bei anderen Anliegen ist das Team immer für mich da.» «Darüber hinaus vernetzt das Team die Menschen mit ärztlichen, therapeutischen und weiteren Fachstellen und hilft dabei, soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen, damit Teilhabe und Anschluss möglich bleiben», ergänzt Tom.
Schwierige Situationen treten oft unverhofft ein und bringen viele bürokratische Herausforderungen mit sich. Wie unterstützt die Stiftung Wisli in solchen Momenten?
Gerade in Krisensituationen ist es entscheidend, dass wir ruhig bleiben und im Hintergrund vieles ordnen. Somit entlasten wir die Betroffenen. Der Umfang und Inhalt sind ganz der Situation bedingt, kann aber u.a. folgende Inhalte umfassen:
- Kontaktaufnahme zu Behörden, Beiständen oder Fachstellen
- Ausfüllen von Formularen oder Anträgen
- Organisation wichtiger Termine
- Koordination mit Fachpersonen, Spitälern oder dem Helfernetz
- Helfen dabei, den Überblick zurückzugewinnen, wenn plötzlich vieles durcheinandergerät
Zusammenfassend gesagt, wir sorgen für einen verlässlichen Rahmen, der Stabilität bietet und gleichzeitig grösstmögliche Eigenständigkeit ermöglicht. So bleibt mehr Kraft für das Wesentliche – die eigene Gesundheit und Stabilität.
Wer kann das Angebot begleitetes Wohnen nutzen und wie kommen diese Personen zur Stiftung?
Unser Angebot richtet sich an Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen sowie an Personen in schwierigen oder instabilen Lebenssituationen, die stundenweise Unterstützung in ihrer eigenen Wohnung benötigen. Viele der begleiteten Personen leben bereits selbstständig, brauchen jedoch punktuelle Begleitung, um ihren Alltag gut zu strukturieren, herausfordernde Situationen zu bewältigen oder in Krisen entlastet zu werden.
Der Weg zu uns ist vielfältig: Häufig werden Menschen durch Sozialdienste, ärztliche oder therapeutische Fachpersonen sowie durch Spitäler oder psychiatrische Kliniken zugewiesen. Auch andere soziale Institutionen nehmen Kontakt mit uns auf. Nicht zuletzt wenden sich Betroffene direkt selbst an uns, wenn sie Unterstützung in ihrer Wohnsituation wünschen und ein grösstmöglich selbstständiges Leben führen möchten.
Die Finanzierung ist transparent geregelt und erfolgt über eine Kostengutsprache. Anspruchsberechtigte können bis zu vier Bruttostunden pro Woche bewilligt erhalten.
Wechselnde Bezugspersonen können für Betroffene zusätzlich belastend sein. Wie begegnet Dein Team dieser Herausforderung?
Wir wissen, wie wichtig Verlässlichkeit und Beziehungskontinuität für die Menschen sind, die wir begleiten. Deshalb legen wir grossen Wert auf stabile Strukturen. Die Menschen erhalten feste Bezugspersonen, die sie über längere Zeit begleiten und ihre Entwicklung gut kennen. Gleichzeitig sorgen klare Vertretungsregelungen dafür, dass auch bei Abwesenheiten niemand allein gelassen wird.
Ebenso legen wir Wert auf Transparenz: Unsere Klientinnen und Klienten wissen, wer wann zu ihnen kommt. Eine klare und konsistente Kommunikation im Team stellt sicher, dass alle Beteiligten gut informiert sind. Immer wieder hören wir von Betroffenen, wie entlastend es für sie ist, ein vertrautes Gesicht an ihrer Seite zu wissen – jemanden, der ihre Geschichte kennt und in schwierigen Situationen einschätzen kann, was wirklich hilft. Dies bestätigt auch Frau M: «Durch eine feste Bezugsperson konnte ich Vertrauen aufbauen und mich öffnen.» Frau R. pflichtet Ihr bei und ergänzt: «Ich fühle mich von meiner Bezugsperson verstanden und unterstützt. Wir haben eine sehr gute Beziehung.»
Wie trägt das Begleitete Wohnen zur Selbstbestimmung der begleiteten Personen bei?
Das Begleitete Wohnen orientiert sich klar an der UNO-Behindertenrechtskonvention und damit insbesondere am Recht auf freie Wahl des Wohnorts. Unsere Klientinnen und Klienten entscheiden selbst, wie und wo sie leben möchten, und behalten die Kontrolle über ihren Alltag. Wir unterstützen nur dort, wo Hilfe gewünscht ist. Gleichzeitig fördern wir Schritt für Schritt den Aufbau von Selbstvertrauen und neuen Kompetenzen. So erleben die Menschen, dass sie Herausforderungen nicht allein bewältigen müssen und dennoch eigenständig bleiben können. Auf diese Weise entsteht ein Wohnen, das Sicherheit mit grösstmöglicher Freiheit verbindet.
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