Text: Abteilung Integrative Arbeitsplätze
Mut zur Veränderung, Herr Frei wagt den Schritt
Die Stiftung Wisli begleitet Mitarbeitende im ersten Arbeitsmarkt und stärkt so Selbstbestimmung und berufliche Teilhabe.
Viele Mitarbeitende sind seit vielen Jahren Teil der Stiftung Wisli. Einer von ihnen ist Herr Frei. Doch was passiert, wenn sich die Bedürfnisse eines Mitarbeitenden verändern? Die Fachmitarbeitenden im Bereich Arbeit nehmen solche Veränderungen ernst und suchen aktiv den gemeinsamen Austausch, um passende Lösungen zu finden.
Begleitete Schritte in den ersten Arbeitsmarkt
Der Umzug in den Campus war für R. Frei zunächst mit gemischten Gefühlen verbunden: «Am neuen Arbeitsort fühlte ich mich nicht so wohl. Zudem verliess eine wichtige Bezugsperson die Stiftung», erinnert er sich. Gemeinsam wurde daraufhin geprüft, ob ein externer integrativer Arbeitsplatz (IAP) eine passende Lösung sein könnte. «Ich freute mich sehr, dass es mit einer Anstellung in einem externen Betrieb geklappt hat», sagt R. Frei rückblickend.
Das IAP-Arbeitsangebot findet ausserhalb der Stiftung statt, wird jedoch individuell begleitet. Dazu gehören jährliche Standortgespräche, regelmässige Besuche am Arbeitsplatz sowie ein kontinuierlicher Austausch mit den Vorgesetzten. So wird sichergestellt, dass sowohl die Mitarbeitenden als auch die Betriebe bestmöglich unterstützt werden und eine tragfähige, wertschätzende Zusammenarbeit gefördert wird.
«Im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen die vorhandenen Stärken, aber auch die Ressourcen, die noch wachsen dürfen. Mit meiner Begleitung – so viel Unterstützung wie nötig und so viel Selbstständigkeit wie möglich – entstehen Vertrauen, Mut und Erfolgserlebnisse. Genau daraus entwickeln sich nachhaltige Stärke und gelebte Selbstbestimmung», sagt Durata Shtanaj, agogische Betreuerin IAP.
Selbstbestimmung stärken – Neues wagen
Das IAP-Angebot stärkt die Selbstbestimmung der Mitarbeitenden. Gleichzeitig verlangt der Schritt in ein neues Arbeitsumfeld Mut und die Bereitschaft, sich auf neue Abläufe und Anforderungen einzulassen. Trotz enger Begleitung kann es vorkommen, dass ein integrativer Arbeitseinsatz vorzeitig endet. Abbrüche werden bei Wisli jedoch nicht als Versagen verstanden, sondern als Teil eines individuellen Entwicklungsprozesses. Durata Shtanaj ergänzt: «Ein IAP bietet Raum, sich auszuprobieren, Unsicherheiten zu überwinden und Schritt für Schritt Neues zu lernen.»
Jeder Schritt zählt – auch Umwege
Im Fall von R. Frei entschied das Unternehmen, die IAP-Position aufzulösen. Auch diese Situation wurde von Wisli begleitet. Erfahrungen aus dem Einsatz wurden reflektiert und als wertvoller Lernprozess für alle Beteiligten betrachtet.
Die Stiftung trug diesen Entscheid mit und unterstützte aktiv bei der Suche nach einer passenden Anschlusslösung. «Am Anfang war ich natürlich sehr betroffen. Frau Shtanaj hat mich sehr unterstützt und in nur wenigen Tagen hatte ich eine Anschlusslösung», erzählt Herr Frei.
Heute arbeitet er wieder in der Logistik des Unternehmens Digt AG. «Ich war mir nicht sicher, ob ich den Wiedereinstieg schaffe. Die neue Technik und die körperliche Belastung für meine Füsse sowie die zeitnahe Abfertigung der Lieferscheine und Picklisten waren herausfordernd. Im Nachhinein ist es jedoch ein grosses Glück: Ich darf wieder in meinem angestammten Beruf arbeiten, habe viel Freude dabei und fühle mich bei der Digt AG sehr wohl», fasst er stolz zusammen.
Integrative Arbeitsplätze schaffen Perspektiven für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen und ermöglichen konkrete Erfahrungen im ersten Arbeitsmarkt.
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